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Mittwoch, 22. Juni 2011

Was war vor "Sex and the City"? III

DAS Role Model für Carrie Bradshaw war gewiss auch und vor allen Dorothy Parker (1893-1967). New Yorkerin durch und durch, Schriftstellerin, Femme Fatale und Enfant Terrible der New Yorker Szene in den 20/30/40er Jahren und Mitbegründerin des "New Yorker" - jenem Magazin bei dem "heute" die fiktive Carrie Bradshaw ihre Kolumne "Sex an the City" tippt.

Dorothy Parker (1893-1967)

Die heute so berühmte Carrie Bradshaw nimmt sich im Vergleich mit ihrem historischen Vorbild jedoch schlichtweg als "Unschuld vom Lande" aus. Gemein ist ihnen: weit über ihre Verhältnisse zu leben, ihre bedingungslose Liebe zu New York, ihr Stil, ihr Einfluß, ihr Humor und das Schreiben von Kurzgeschichten - u.a. für den "New Yorker" und "Vogue".

Wenngleich Dorothy Parker tatsächlich mit dem Who-is-Who des New Yorker Geldadels verkehrt (in mehr als einer Hinsicht) und einige der brillantesten Schriftsteller zu Ihrem "Vicious Circle" am "Round Table" des Algoquin Hotels schart, ist ihr Leben tatsächlich doch eher trist. Sie soll zwar auch immer in die neueste Mode und feinstes Tuch gehüllt gewesen sein , Shopping war aber die geringste ihrer Süchte. Schwer Alkohol- und Medikamentensüchtig starb sie letzten endes, einsam und verarmt in einem kleinen Hotelzimmer jenseits der 72. Strasse - dabei hörte New York für sie einst eben dort auf...

"Ich möchte niemals irgendwo hingehen, von wo aus ich nicht bis spätestens Mitternacht zum Broadway und in die 44. Straße zurückkommen kann."

Ironie von der Wiege bis zur Bahre


Die leidenschaftliche New Yorkerin wurde 1893 als Halbjüdin, als Dorothy Rothschild (allerdings nicht von DEN Rothschilds) in New Jersey geboren - im Sommerurlaub der Familie. "Ich wurde um die Ehre gebracht, eine gebürtige New Yorkerin zu sein, weil ich zur Welt kommen musste, während die Familie den Sommer in New Jersey verbrachte (...)". I
hre Kindheit war bereits von Drama gezeichnet, so soll sie schon früh mit dem Spruch "what fresh hell is this?" die Türglocke oder das Telefon beantwortet haben. Depressionen begleiteten sie ihr Leben lang.
Sie war eine der einflußreichsten US- TheaterkritikerInnen und SchriftstellerInnen und feierte mit ihren Kurzgeschichten große Erfolge. Einen Roman zu schreiben gelang ihr nie, ihre Drehbücher, die sie als hochbezahlte Autorin diverser Hollywoodstudios verfasste, wurden meist nie verfilmt (oder letztendlich nicht veröffentlicht) und ihre eigenen Theaterstücke waren Flops.
Die zwei Dutzend "Algonks" - so nannten sich die "Tafelritter" - erhielten zusammen sieben Oscarnomminierungen, vier Oscars, zehn Pullitzerpreise und zwei Tony Awards. Dorothy Parker selbst sollte keinen dieser begehrten Preise ihr eigen nennen.

In Ihrer Zeit bei "Vanity Fair" machten sie und ihr Kollege und Lebensmensch Robert Benchley sich den Spass "komische" Todesanzeigen auszuschneiden und aufzuhängen und ihre eigenen Grabinschriften zu verfassen. Ihr früher Entwurf lautete "Excuse my Dust".
Die Urne mit der Asche ihrer sterblichen Überreste sollte dann tatsächlich 22 Jahre in Abstellräumen von Bestatter und Anwälten verstauben, bis sie 1988 endlich ihre letzte Ruhe und Ehre in einem ihr gewidmeten "Dorothy Rothschild Parker Memorial Garden" - in Baltimore (!) findet.

Dorothy und ich

In unseren Breiten ist Dorothy Parker weitgehend unbekannt. Scha(n)de. Ich habe zwar in Vorbereitung auf meine erste New York Reise, vor 20 Jahren, eine ihrer Kurzgeschichten gelesen, sollte sie aber dann wieder vergessen. Ich "begegnete" ihr erst wieder in in den Kolumnen von Polly Adler, welche sie gerne zitiert.
Ich selbst konnte auch ein paar Gemeinsamkeiten mit der New Yorker Grande Dame ausmachen, ich mag nicht so mondän und brillant sein, den Hang zum Drama, das fehlende Glück mit Männern und das Zweifingersystem, mit welchem ich hier tippe, teile ich jedenfalls mit ihr...

Cocktail Serviette aus dem
Algonquin Hotel, New York 44th Street

Nun ist eine sehr interessante und kurzweile deutschsprachige Biographie mit dem spritzigen Titel "Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber" (ein Dorothy Parker Zitat, what else?) von Michaela Karl erschienen, welche ich freilich flugs mit Genuss verschlungen habe!

Ich habe mit Entsetzen, aber auch einer gewissen Erleichterung festgestellt, dass eine Frau gar nicht klug genug sein kann, um nicht doch einen bemerkenswert schlechten Geschmack zu haben, was Männer anbelangt, und dass eine grenzenlose Leidenschaft zum Unglücklichsein nicht davon abhalten muss, witzig zu sein.“ (Michaela Karl, Biografin von Dorothy Parker)

Es gibt auch einen schönen (traurigen), hochkarätig besetzten Film über Sie und ihre Tafelrunde: Mrs. Parker und ihr lasterhafter Kreis (englischer Originaltitel: Mrs. Parker and the Vicious Circle bzw. Mrs. Parker and the Round Table).


Meine Lieblingszitate von Dorothy Parker:

Dorothy Parker auf die Frage wie ihr Traumman aussähe: „Brillant genug, um unterhaltsam zu sein, böse genug, um aufregend zu sein, und clever genug, um ein guter Zuhörer zu sein.

„(Der Boss) hat dich noch nie gesehen, wenn du um 8.45 Uhr ins Büro gekommen bist, aber komm einmal um viertel nach zehn, dann wird er mit dir im Lift hochfahren

Wenn du wissen willst, was Gott über Geld denkt, dann guck dir bloß die Leute an, denen Er es gegeben hat.“

I know the things I know, And do the things I do; And if you do not like me so, To hell, my love, with you!

Rena Koenig: If I had a Gun
Hommage à Niki de Saint Phalle
70x90cm, Acryl auf Leinwand
10/2010

If I had a shiny gun, I could have a world of fun. Speeding bullets through the brains, Of the folk who give me pains.

Spott mag mein Schild sein, aber es ist keine Waffe

Ich weiß es wird ein großer Schock für sie sein, Mr. Goldwyn, aber in der Geschichte der Menschheit, die Millionen und Abermillionen Menschenleben gesehen hat, hatte nicht ein einziges ein Happy End.

Schick niemals einen Laufburschen zu einer Besorgung, für die es einen ganzen Mann braucht.

Alles ist immer schlimmer, als man sich´s vorgestellt hat.

Frauen und Elefanten vergessen niemals.

London befriedigt dich, Paris lässt dich resignieren, New York aber gibt dir immer Hoffnung.

An dem Tag, an dem du Ungerechtigkeit akzeptierst, solltest du dich erschießen.


Was war vor "Sex an the City" I


Montag, 26. Juli 2010

Was war vor "Sex and the City"? II


A Single Girl´s genealogical research - meine "Ahnenforschung" zu SATC


Am Anfang steht die Emanzipiation der Frau, die sexuelle Revolution und:

Anita Loos (1888-1981) „Gentlemen prefer Blondes“ (1925)

Die erste amerikan. Autorin, die sich über Sex lustig macht; die erste bedeutende DrehbuchautorIN Hollywoods.

"Gentlemen Prefer Blondes". The Illuminating Diary of a Professional Lady oder "Blondinen bevorzugt": Das lehrreiche Tagebuch einer jungen Dame von Beruf; wurde in 14 Sprachen übersetzt.

Lorelei und ihre Freundin aus dem hinterweltlerischen Little Rock versuchen sich auf hoher See einen Milionär zu angeln... und trällern dazu als Showgirls ihr "Two little Girls from Little Rock"

1953 verfilmt mit Marilyn Monroe und Jane Russel - der Hit daraus „Diamonds are a Girl´s best friend“ (Leo Robin/Jule Styne) inspirierte nicht zuletzt Madonna zu ihrem Signature-Hit „Material Girl“ (1985). Coversions: Kylie Minogue, Nicole Kidman in "Moulin Rouge"

Es folgte „But Gentlemen marry Brunettes“ (1928) = "Brünette – heiraten!" ebenfalls verfilmt mit Jane Russel (Paris 1955).

Wie Loos´ Lorelei kam auch ihre "Nachfolgerin" aus einem ebenso idyllischen wie verschlafenen Städtchen in den USA. Green Forrest, Arkansas ist der Geburtsort von:

Helen Gurley Brown (*1921) „Sex and the Single Girl“ (1962)

Sie verfasste auf Basis ihres persönlichen Erfahrungsschatzes einen Ratgeber für junge Frauen, um mehr Selbständigkeit, finanzielle Unabhängigkeit und sexuelle Freiheit abseits des Ehehafens zu erreichen. Sie wurde damit zur Schirmherrin der 2. Welle der sexuellen Revolution. Das Buch wurde 2 Millionen mal verkauft, in 35 Ländern.

Legionen von sog. „Pink Collar Worker“innen folgten ihren "Rules" in mehr oder weniger Unabhängigkeit, nur so manche "Goldgräberin" scheint da wohl etwas falsch verstanden zu haben...

Zitate:

„During your best years you don´t need a husband“

„Men who help women with their careers are sexier than men with flat stomachs, large biceps, and other remarkable asstes“

1964 verfilmt mit Natalie Wood als Dr. Helen Gurley Brown, der Autorin von „Sex an the Single Girl“, welche zahlreiche komische Situationen im zwischengeschlechtlichen Kontakt durchlebt. Weitere Darsteller Tony Curtis, Henry Fonda und Lauren Bacall.

2003 "Down with Love" mit Renée Zellweger scheint ebenfalls an Helens "Sex an the Single Girl" angelehnt zu sein - in einer neuzeitlichen / postfeministischen Version.

Und dann kam:

Candace Bushnell (1958) „Sex and the City“ (1997)

Kolumnistin beim New York Observer; weitere Bücher „Four Blondes“, „Trading Up“, „Lippstick Jungle“ (TV-Serie mit Brooke Shields), „The Carrie Diaries“ (Prequel to SATC).

TV Serie (6 Staffeln von 1998-2004 mit Sarah Jessica Parker als Carrie Bradshaw); 2 Kinofilme (2008 und 2010).

Die „Jüngerinnen“:

Helen FieldingBridget Jones“ (1999) verfilmt mit Renée Zellweger als Bridget

Sophie KinsellaShoppaholic“ (GB 2000) 2009 verfilmt mit Isla Fisher als „Becks“

Cindy Chupack (Drehbuchautorin bei SATC) „The Between Boyfriends“ (2003)

Liz Tuccillo et al. „He´s just not that into you“ – „Er steht einfach nicht auf dich!“. Warum Frauen nie verstehen wollen, was Männer wirklich meinen. (2006) Ratgeber von Autoren aus dem SATC-Tean. Verfilmt 2009 mit Jennifer Aniston u.a.

Deutschland:

TV: „Alles ausser Sex“ (2005-2006 mit Annette Frier)

Illustration zu "Familienstand: erledigt" Hot Bitch Melba in "City" 1996

Österreich:

Angelika Hager alias Polly Adler Kolumnen in „City“ („Hot Bitch Melba“ 1995-2004) und „Polly Adler in der Kurier „Freizeit, diverse Polly Adler Bücher („Chaos de Luxe“, „Auch Luder brauchen Liebe“, „Amour pfuh...“, „Pollywood“, „Nur Ideoten sind glücklich“, „Pollyklinik“ etc.) TV-Serie „Polly Adler – eine Frau sieht rosa“ (2005).

Samstag, 29. Mai 2010

Was war vor Sex and the City?



Candace Bushnell
"The Carrie Diaries"

Zum Geburtstag hab ich noch andere coole Bücher bekommen u.a.:

Rupert Everett (= hat auch heute Geburtstag!!!) Autobiographie "Red Carpets and other Bananaskins" - mit vielen iteressanten, delikaten Einblicken in die Society.

Michael Niavarani
"Vater Morgana" - eine persische Familiengeschichte